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Archiv für die Kategorie ‘Wetterau: Regionale Themen’

Hausgemacht

Rückblende: Zur Weihnachtszeit sitze ich mit Kaffee und Kuchen an einem Tisch mit einer Stadtverordneten. Viel Frust ist ihren Worten zu entnehmen: Alles sei schwierig, sie hielte seit Jahren den Kopf hin, danken würde es ihr niemand — und das Interesse der Bürger an den Stadtverordnetenversammlungen sei so gross wie Kochs Absicht, mit der Linken zu koalieren.

Vermutlich ist diese Einschätzung nur ein weiteres, düster gemaltes Bild des Politikverdrusses, den wir seit Jahren an einer immer weiter sinkenden Wahlbeteiligung ablesen können. Aber woran liegt das? Warum lassen sich so wenig Menschen — auch und gerade in der Lokalpolitik — für ihre eigenen Belange direkt vor der Haustür interessieren, vielleicht sogar begeistern?

Nun, Politik ist oft eine trockene Angelegenheit — und das ist in Reichelsheim nicht anders als sonstwo. Für Otto und Anna Normalbürger bleibt vieles unverständlich. Politiker sind zudem meist eher brave und langweilige Zeitgenossen, kaum einer präsentiert sich so mediengelackt wie Karl-Theodor zu Guttenberg am Times Square in New York City.

Wir wissen: Themen und Personen müssen interessanter sein und besser verpackt werden, um die Menschen zu erreichen. Wer aber soll das in der Provinz tun, wenn es schon auf der grossen Politikbühne meist fad und bieder ist?

Üpl. oder apl. — das ist hier die Frage
Die Stadtverordnetenversammlung vom 18.3.2009 zeigte in beeindruckender Anschaulichkeit, warum Publikum dort so selten ist wie eine Schwalbe über dem Gemeindehaus in Heuchelheim im März. Zwar lag für Besucher die Tagesordnung aus, aber Hintergründe zu den zu behandelnden Themen enthielt sie natürlich nicht. Dass sie auch nicht für Aussenstehende gedacht war, unterstreicht die Formulierung unter TOP 9: …

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Ach, die eigene Unzulänglichkeit ist manchmal bedenklicher als es die Wirren des Lebens sind, denen ich so gerne nachstelle. Aktuelles Beispiel: Die Termine der Stadtverordnetenversammlung in Reichelsheim.

Gerne würde ich ab und zu die Sitzungen dieses Gremiums besuchen — stöbere aber seit mehr als einem Jahr vergebens nach den Terminen auf den Webseiten der Stadt. Ich beklagte mich bei Bekannten, Politikern und im Vorzimmer des Bürgermeisters. Alle bedauerten, dass die Information nicht online verfügbar sei — und verwiesen mich auf den Stadt-Kurier (vom Verlag Wittich), den ich kostenpflichtig beziehen könne. Sämtliche Termine seien dort aufgeführt.

Nun, ich gebe zu, dass — trotz mehrmaliger, wohlwollender Leseversuche — mich dieses Druckwerk nicht besonders in seinen Bann geschlagen hat. Nur für ein Dutzend Terminhinweise im Jahr 27 Euro zu bezahlen, erscheint mir nicht angemessen. Die Konsequenz: Mangels Kenntnis der Termine habe ich bisher noch keine Stadtverordnetenversammlung besucht.

Und dann erfahre ich heute aus zuverlässiger Quelle, dass die Termine doch regelmässig im Internet veröffentlicht wurden — ich habe sie nur nicht entdeckt. Augen auf, Frank! Wie kann man nur so verpennt sein? Dabei bietet die Stadt Reichelsheim hiermit bereits mehr, …

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